On beauty and philosophy – thoughts in London
Monday, 2008-March-24
As always when I am in London I am torn to divide my attention between two major subjects. One of course is philosophy. And most people who know me can take a pretty good guess about the other: the phenomena of beauty. I have always wondered if they can go together and if there is a difference -which one is the more important? Well, seeing that in the bookstores the philosophy section huddled between religion and mind and spirit (aaarrrgghhh) the decision seems to be a simple one. I was trying to find Plato’s Symposion for Giovanni’s birthday – well, guess what. May I say that I feel somehow personally offended by the total absence of Plato even in the British library bookstore? Even worse – books just seem to be misused to arrange shoes upon in an expensive boutique :-/ Beauty on the other hand seems to everywhere: the girls on the street, the art galleries & exhibitions, the clothes I can’t afford (same goes for the shoesJ) and even the way the food is prepared in the better restaurants … there is just an overwhelming presence.But of course the platonic in me says that there is a way. I have always liked the platonic idea that beauty is something which shakes us to our core and pulls us out of our every day life. It is something which catches our attention before we can even reflect on it. So it seems that it is the more prior access to the world. Even the way we say things shows our passivity: beauty catches our attention, being struck by beauty … So it seems that it is an opening for us and a way out of our isolated world. If you translate Plato’s often attacked ideas you could say that beauty in outer forms means nothing but fulfilling what it’s meant to be. And who wouldn’t need this arousing quality every once in a while?But it also means that being just concerned about ones own reflection in the mirror is a wrongly understood idea of beauty: The Greeks, who put in their myth much more than we sometimes think describe as well the powerful pulling of beauty as the danger of being stuck and isolated: While in Helena as the materialized idea of beauty we experience the power it has: people giving up their daily lives to fight for it, making even the angriest persons like Priamos and Menelaos forgiving … and on the other hand we have the sirens who tell us that not taking the dynamic quality of beauty in but instead being stuck at forms etc leads to nothing but deadlock and isolation. So I think that many intellectuals who oppose the obsession with beauty that has gripped our society hit the wrong point: It’s not the concentration on beauty which is unhealthy itself but the misunderstanding of what beauty actually means. Being stuck at outer forms stops the dynamic beauty can actually release and leads towards stagnation, the opposite of life. But following this drive takes us towards what we and others are meant to be, a dynamic process which represents life itself. Then we can support the saying that beauty really can save the world.
Ursula Niggli: „Peter Abaelard als Dichter. Mit einer erstmaligen Übersetzung seiner Klagelieder ins Deutsche“
Wednesday, 2008-March-5
Schon der Titel des vorliegenden Werkes macht auf das Anliegen der Autorin Ursula Niggli aufmerksam: Der außerhalb von Fachkreisen hauptsächlich wegen seiner Liebesbeziehung zu Heloisa bekannte Frühscholastiker Peter Abaelard (1079-1142) soll endlich auch seine verdiente Würdigung als Dichter erfahren. Da die viel gerühmten Liebeslieder Abaelards nicht erhalten sind, mit denen er „aller Frauen Herzen im Augenblick [...] gewinnen“ konnte, soll dies anhand der erstmals ins Deutsche übersetzten Klagelieder des großen Philosophen und Theologen nachgeholt werden. Die Autorin will, wie sie uns selbst in den ersten Zeilen des Vorworts nahelegt, sich dabei maßgeblich auf die sprachliche Kunstfertigkeit konzentrieren, die sie in der vergangenen Rezeption als unterschätzt ansieht.
Dafür muss Ursula Niggli zufolge vor allen Dingen dem immensen Einfluss Heloisas auf Abaelard Rechnung getragen werden. Dementsprechend legt sie schon in der sehr verständlich gehaltenen Einführung in die Biographie Abaelards ein besonderes Augenmerk auf die Beziehung Abaelards zu Heloisa, die neben historisch gesicherten Tatsachen eine eingehende Reflexion auf Motive und Hintergründe für die Entwicklung dieser Beziehung beinhaltet.
Auffällig ist schon in diesen ersten Vorbemerkungen die für ein Werk mit wissenschaftlichem Anspruch unübliche Ausdrucksweise in der ersten Person Singular. Sie vermittelt das Gefühl, dass der Leser nicht mit einer objektiven Analyse anhand historisch belegter Fakten, sondern über weite Strecken mit einer Interpretation konfrontiert wird, die eher der subjektiven Meinung der Autorin entspringt.
Nach dieser dennoch aufschlussreichen Einführung in Vita und Werk Abaelards folgt der eigentlichen Hauptteil der Publikation, die einzelnen Klagelieder. Für bessere Verständlichkeit sind sie jeweils in einem Dreierschema angeordnet, was den Vorteil bietet, dass auch Interessierten ohne theologischen Wissenshintergrund eine gute Erschließbarkeit ermöglicht wird: Der kurzen Erläuterung der relevanten Bibelstelle folgt das entsprechende Klagelied in einer deutsch-lateinischen Gegenüberstellung, wobei es sich bei der deutschen Fassung um eine eigene Übersetzung der Autorin handelt. Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Teil ist der stärkste des Buches. Obwohl die vorausgeschickten Bemerkungen der Autorin, eigene Wege bei der Übertragung zu beschreiten, die Befürchtung einer sehr subjektiv gefärbten Übersetzung aufkommen lässt, zeigt sich bei der Lektüre, dass sich dies nicht bewahrheitet. Auch wenn die eine oder andere von der Autorin bewusst gewählte Pointierung fraglich bleibt, gelingt Niggli eine gut lesbare Übersetzung voll sprachlicher Schönheit.
Fragwürdig bleibt leider der Abschluss des genannten Dreierschemas: Jedem Klagelied folgt nämlich eine ausführliche Interpretation der Autorin. Dabei beschleicht den Leser bei fortschreitender Lektüre immer mehr das Gefühl, die Autorin wolle so gewaltsam den Einfluss Heloisas auf Abaelard aufzeigen, dass eine logisch-stringente Argumentation, auf die der besprochene Dichter selbst so hohen Wert legte, gar zu einfach ad acta gelegt wird. Die zur Beweisführung herangezogenen psychologischen Argumente wirken trotz guter Ansatzpunkte meist schwammig und die daraus abgeleitete Deutung allzu oft gekünstelt und zu wenig fundiert, um wirkliche Überzeugungsarbeit leisten zu können. Man fühlt sich an den Ausspruch des französischen Philosophen Alain erinnert, der seine Skepsis gegen die Psychologie in den Worten ausdrückte, diese übe sich allenfalls darin, schlecht zu denken, da ihr Ergebnis ohnehin von vornherein feststünde.
Neben dieser Überstrapazierung psychologischer Deutungsmomente wirkt vor allen Dingen die Einführung gesellschaftlich relevanter Termini wie „Selbstmordattentat“ oder Gender-Theorien deplaziert. Dass Abaelard, der, wie von der Autorin klar aufgezeigt wird, die stereotypen Vorurteile seiner Zeit gegen das weibliche Geschlecht teilte, sich allein aufgrund des Einflusses von Heloisa zu einem Vorreiter des modernen Feminismus entwickelte, scheint die zweifelsohne in vielerlei Hinsicht sehr fruchtbare Beziehung zwischen Abaelard und Heloisa zu überfrachten. Wäre es nicht angemessener, Abaelard den Mut zuzusprechen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen? Ihm, der die Autonomie der Vernunft schon 700 Jahre vor Kant einforderte, nicht zuzutrauen, anhand empirischer Erfahrungen (und hier spielte Heloisa ohne Frage eine wesentliche Rolle) und kritischer Bibellektüre (auch eigene) vorgefasste Meinungen zu revidieren, würde dem großen Logiker nicht gerecht.
Merkwürdig angestrengt wirken auch manche Parallelen zur antiken Dichtung. Tritt nicht als die heroische Frauengestalt, die sich vor allem anderen dem göttlichen Gesetz unterworfen sieht, Antigone aus der gleichnamigen Tragödie des Sophokles eher vor Augen als Dido aus der Aeneis? „Nicht zu hassen, zu lieben bin ich da.“ Liebe und Mitleid als zentrales Thema Abaelardscher Dichtung kommen für Niggli als Alternative für einen feministischen Ansatz offensichtlich nicht in Betracht.
Auch die Deutung der biblischen Figuren scheint verflacht: Samson allein als seelenlosen tumben Toren darzustellen, nimmt der Figur ebenso ihre Zwiespältigkeit wie die Bewertung Sauls als „jenes verbreiteten Typs Mann, der seinen Gefühlen hilflos ausgeliefert ist.“ Auch wenn Niggli einigen modernen Deutungen folgt: Samson als den ersten Selbstmordattentäter darzustellen übersieht, dass Selbstmordattentaten in der Regel seit ihrem Aufkommen weniger persönliche als vielmehr religiös-fundamentalistische Gründe zugrunde liegen.
Das Gefühl einer zu einseitig geratenen Deutung setzt sich auch in dem sehr ausführlichen Nachwort fort. Die von der Autorin eingeführte Hierarchie von Freundschaft über Liebesbeziehung erscheint ebenso unlogisch wie die Interpretation der Aussage Heloisas, sie habe ihr Selbst aufgegeben, als einen Wunsch nach Freundschaft und nicht nach Liebe zu deuten.
Fazit: Die gute Einführung in die Dichtung und das Leben Abaelards, die es hätte werden können, wird überlagert von der starken Betonung aggressiv-feministischer Tendenzen und psychologisierender Deutungen, die oft nicht sachlichen Argumenten, sondern persönlichen Präferenzen der Autorin entspringen. Die Wertung menschlicher Verhaltensweisen scheint willkürlich und vor allen Dingen den männlichen Protagonisten gegenüber von einem deutlich feindlichen Unterton geprägt, der in einer wissenschaftlichen Publikation nicht angebracht ist und den mitdenkenden Leser eher zum Widerspruch herausgefordert. Letztlich entsteht der Eindruck, Abaelard habe Feindbilder und Stereotypen weit besser überwunden als die Autorin selbst.
Der Glanzpunkt des Buches bleibt damit die (leider sehr ins Hintertreffen geratene) ursprünglich angedachte Intention: Die gelungene Präsentation der Klagelieder selbst, die in ihrer von Ursula Niggli sehr zielsicher herausgearbeiteten philosophischen Tiefe für sich sprechen. Worin diese aber liegt, muss der Leser anhand der von der Autorin aufgezeigten Ansatzpunkte selbst herausfinden. Schade, denn mit weniger Emotionen und mehr Sachlichkeit – gerade in der Analyse einer Expertin wie Ursula Niggli – wäre der Bedeutsamkeit der Beziehung Abaelard-Heloisa besser gedient gewesen.
(copyright only by the author)
Besprochene Literatur:
Ursula Niggli, Peter Abaelard als Dichter. Mit einer erstmaligen Übersetzung seiner Klagelieder ins Deutsche, Narr Francke Attempto, Tübingen 2007, 232 S., illustriert mit Grafiken von Rembrandt, ISBN 978-3-7720-8221-4, 24,90 Euro
Zur Autorin:
Dr. phil. Ursula Niggli studierte Philosophie, Mediävistik und Evangelische Theologie in Zürich, Heidelberg und Toronto. Sie leitet seit 1987 das Philosophische Institut „Paraklet“ in Zürich und gilt als führende Abaelard-Interpretin.
u.a. erschienen:
Ursula Niggli (Hrsg.), Peter Abaelard. Leben – Werk – Wirkung, Freiburg 2003
online published at
http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=38513


