“When you have reached the bottom you can always start digging” (Giovanni)
Tuesday, 2008-May-27
Well, I have been putting this of for quite a while, because I don’t like lamenting – I always think that people who do that should just get up and do something about it. And I still think so!
But anyway there it is: Sometimes life just sucks. In my case – right now. So there it is and I hope it will make me feel better. Since I moved from the state where I just want to hide in my little cave in the attic to being pissed (at myself mostly) I believe that there are hopeful signs.
Anyway – knowing that its mostly ones own fault and that one actually doesn’t have any problems at all just seems to worsen the case instead of helping – because one also feels impotant now.
So on top of my work being stuck with no acknowledgement in sight (well maybe I am a bit exaggerating here) , not even talking about private life, and family ties which either strangle you (I always have to think about what Rilke says in Malte Laurids Brigge about the bonds of love) or make one feel like not living up to families expactations and feeling properly guilty about it I picked up my bike yesterday at the police station. I don’t think that I need to say more, do I? As you can see, getting up in the morning just seems utterly pointless right now – funnily enough I still do it …
So now I can practice all those virtues I have studied and read about: the casualness of the stoics and the buddhists, the loving attitude and acceptance of life of the christian thinkers and the vitality of Socrates and Plato – hmpf. Let’s see what I can do. And in the meantime it seems to be the wisest thing to just follow “The hitchhiker’s guide to the Galaxy” – Don’t panic!

René Descartes, Meditationen über die Grundlagen der Philosophie: Cogito ergo sum
Thursday, 2008-May-22
Rückblickend kann man sagen, dass wohl kaum ein philosophischer Satz derart nachhaltig Eingang sowohl in das Bewusstsein einer philosophischen als auch nicht-philosophischen Öffentlichkeit gefunden hat wie die Aussage: Cogito ergo sum – ich denke, also bin ich – des französischen Philosophen, Mathematikers und Naturwissenschaftlers René Descartes (1596-1650). Wie viele seiner berühmten Zeitgenossen ging auch Descartes durch die Schule der (mathematischen) Naturwissenschaften, die zu jener Zeit eine hervorragende Stellung einnahm. Erst sechzehnjährig verließ der junge Descartes die Jesuitenschule La Fléche in Paris, um zunächst die militärische Laufbahn einzuschlagen und später Jura zu studieren – um also mehr im „Buch der Welt“ zu lesen, wie er später sagte.
Die Spätrenaissance war eine Zeit der Umbrüche: Sie hatte nicht nur eine Befreiung und Selbstaufwertung des Individuums mit sich gebracht, sondern warf den Einzelnen auch auf eine bis dahin nie da gewesene Art und Weise auf sich selbst zurück. Tradierte Überzeugungen schienen, angezweifelt vom „Richter der Vernunft“ (Kant), unwiederbringlich ihre Gültigkeit zu verlieren.
Und so vereinen die Meditationes de prima philosophia, das 1641 erschienene erste der beiden philosophischen Hauptwerke Descartes’, auf das Intensivste die zwei prägenden Erfahrungen seiner Lebenssituation: Da ist zum einen der Rückzug auf das einzig sicher scheinende Gebiet – für Descartes der Bereich des eigenen Denkens. Zum anderen spiegelt der formelle Aufbau die fast mönchische Abgeschiedenheit wider, in der Denker zu diesem Zeitpunkt lebte: Denn das Werk ist in Ich-Form als eine Art Tagebuch einer sechstägigen Klausur abgefasst (dementsprechend sechs Meditationen umfassend) und folgt damit dem Vorbild der Geistlichen Übungen des Gründers des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola (1491-1556), der diese Form für die religiöse Klausur empfahl.
Dabei sollte man sich durch die modern anmutende Art der Subjektzentriertheit nicht täuschen lassen: Die Form der Meditationen gründet nämlich keinesfalls in eitler und egoistischer Ich-Bezogenheit, sondern verweist vielmehr auf die Methode des Verfassers: Der Erkenntnisprozess – bei Descartes ein geistiger Akt – muss sich in geordneten diskursiven Schritten nicht nur dem Denkenden selbst erschließen, sondern auch vom Leser nachvollziehen lassen, der so ebenfalls am Erkenntnisakt teilhaben kann.
Die Frage danach, was erkannt werden solle, beantwortet Descartes selbst in seinen einleitenden Bemerkungen (die Meditationen sollten ihm die Approbation der Sorbonne verschaffen, was jedoch nie glückte. Vielmehr wurden sie nach seinem Tod zusammen mit seinen anderen Schriften 1663 auf den Index gesetzt): Das Wesentliche seien schon immer die Fragen nach Gott und der Seele gewesen, die gerade auch von rational-philosophischer Seite her einer Antwort bedürften.
Das Werk beginnt mit dem berühmten cartesianischen Zweifel, indem Descartes in der ersten Meditation die Überzeugung in Frage stellt, überhaupt eine Idee von etwas zu besitzen. Um schneller voranzukommen, zieht Descartes gleich ganze Gruppen von Vorstellungen in Zweifel: Sie könnten alle nur geträumt sein und wären damit falsch. Man geht allerdings fehl, einen solchen Zweifel als Ausdruck einer reinen Skepsis (und damit sich in seiner absoluten Form selbst aufhebend) zu deuten: Vielmehr soll er als Methode die Notwendigkeit eines radikalen spekulativen Neuanfangs aufzeigen und beweisen, dass allein aus lebensweltlichen Erfahrungen keine Gewissheiten abgeleitet werden können. Nur mit Hilfe dieses methodischen Zweifels kann für Descartes der Geist von allen Vorurteilen befreit und der Weg dafür geebnet werden, ein sicheres und grundlegendes Fundament für alle weiteren Denkprozesse zu schaffen.
Denn selbst wenn alles bezweifelt werden kann – zumindest des Zweifels kann ich mir sicher sein. Die für diesen Zweifel erforderliche Distanzierung von allen äußeren Umständen beruht wiederum auf einer bestimmten Voraussetzung, die häufig übersehen wird: Die von Descartes aufgebaute absolute Wissensbegründung bedarf der Sonderstellung des freien Subjektes. Erst in der Freiheit begründet sich die Fähigkeit des Menschen, sich von allen äußeren Dingen distanzieren zu können. Damit nun meint Descartes einen Weg gefunden zu haben, der zumindest zu einer letzten unumstößlichen Gewissheit führt: der meiner eigenen Existenz als geistiges Wesen. Und auch eine weitere wichtige Unterscheidung lässt sich daraus ableiten: die Bestimmung des Geistes als res cogitans im Gegensatz zum Körper als res extensa, die zwar in einer Wirkungseinheit zusammengefasst sind, aber dennoch jeweils das bestimmende Attribut des anderen missen lassen: der Geist die Ausdehnung des Körpers und dieser das Bewusstsein des denkenden Geistes.
Von dieser Basis aus kann Descartes einen Schritt weitergehen: Über die Weiterentwicklung des ontologischen Gottesbeweises von Anselm von Canterbury auf anthropologisch-erkenntnistheoretischer Basis kommt er zu der Gewissheit, dass seiner Idee von Gott notwendigerweise etwas real Existierendes entsprechen muss: Der Grund allen Seins sei allein in Gott zu suchen, zumal man erst mit der Existenz Gottes eine wahrhafte Grundlage habe für den Glauben an die Existenz von Dingen außerhalb meiner selbst. Mit diesem Gottesbeweis erreicht Descartes zugleich den angestrebten Höhepunkt seiner Ausführungen. Das fragende Sein komme letztlich erst in Gott zum Stillstand. Oder mit den Worten von Augustinus: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir.“
Die Frage nach der Letztbegründung unseres Wissens wird damit zugleich zur Frage nach der arché, dem Anfang und Fundament aller Philosophie. Durch den cartesianischen Ansatz erfährt sie eine Klärung auf zwei verschiedenen Ebenen: Denn obwohl ich dieses Fundament zunächst in mir und meinem Denken verortet finde, liegt ist es doch selbst wiederum im Sein und damit in Gott verwurzelt.
Der von Descartes eingeschlagene Weg eines modernen Rationalismus führte von Malebranche, Leibniz, Spinoza und Kant bis hin zum Psychologismus Brentanos und machte Descartes so zum Vater der neuzeitlichen Bewusstseinsphilosophie. Es ist bezeichnend, dass selbst in Versuchen der Entwicklung einer asubjektiven Philosophie, wie wir sie u. a. in der Phänomenologie Edmund Husserls entdecken, immer wieder Rückbezüge auf das cartesianische Denken stattfinden.
Aber auch andere Überwindungsversuche wie durch den Pragmatismus oder die Verneinung allen sicheren Wissens durch Popper und Derrida wären ohne Descartes undenkbar, auch wenn die Überholung des cartesischen Ansatzes, wie sie unter anderem in der modernen Sprachphilosophie geschieht, oft nur allzu leicht zu gelingen scheint. Denn die Frage bleibt offen, inwiefern nicht in den derzeitigen Diskursen über Vernunftkritik oder die Selbstbestimmung des Menschen (angestoßen durch die neurologische Forschung) nicht wieder unter dem Deckmantel neuer Begrifflichkeiten wie dem Gehirn-Geist-Dualismus (der nichts anderes zu sein scheint als der Leib-Seele-Dualismus Descartes’) die alten Fragestellungen Descartes’ wieder auftauchen. Sollte dies der Fall sein, dann wäre es wohl lohnend darüber nachzudenken, auch die Antworten unter cartesischen Vorzeichen wieder mit in den Blick zu nehmen.
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René Descartes, Meditationen über die Grundlagen der Philosophie mit den sämtlichen Einwänden und Erwiderungen, Felix Meiner, Hamburg 1994, 493 S., Euro 24,80
Thomas Hobbes: Leviathan – der Krieg aller gegen alle
Wednesday, 2008-May-7
Als im Jahr 1588 die spanische Armada vor der englischen Küste auftauchte, war dies nur der Auftakt einer Reihe politischer Ereignisse, die England von einer Krise in die nächste zu führen schienen. Dementsprechend pflegte der im selben Jahr geborene Philosoph und Staatstheoretiker Thomas Hobbes (1588-1671) von sich zu sagen, er und die Angst seien als Zwillinge geboren worden. Ein Gefühl, das zusammen mit seinem Logik- und Physikstudium zeitlebens prägend für seine Philosophie blieb.
Denn obwohl Bestechlichkeit und Gewalt in der Politik wohl seit jeher an der Tagesordnung gewesen sind, war die politische Philosophie jetzt endgültig von dem Gefühl beherrscht, moralische und ethische Normen seien aus der realpolitischen Welt der angebrochenen Neuzeit verschwunden: England wie auch das Festland waren durch den von 1642-49 andauernden Bürgerkrieg bzw. den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) in chaotische Zustände gestürzt worden. Es war der „Krieg aller gegen alle“ – bellum omnium contra omnes, den Hobbes später auch in seinem Hauptwerk postulieren sollte. Nur ein einziges Prinzip schien nach wie vor unberührt: der Selbsterhaltungstrieb als treibende Kraft hinter allen menschlichen Handlungen.
Die daraus entstehende Frage, wie der Staat jenseits aller herkömmlichen Argumente legitimiert werden könnte, trieb nicht nur Hobbes um. Schon vor ihm hatte der Holländer Hugo Grotius Selbsterhaltung als das einzige fundamentale Recht herausgestellt und so ein Argument entwickelt, das gegen Skeptiker und Aristoteliker (die den Menschen als zoon politikon bestimmten) gleichermaßen gerichtet war.
Dass Hobbes als einer der Gründungsväter der neuzeitlichen Staatsphilosophie gilt, liegt vor allen Dingen daran, dass er als erster Denker den Selbsterhaltungstrieb in einen rechtlichen und staatlichen Rahmen setzte. Berühmt wurde diese Theorie unter dem Titel seines umfangsreichsten politischen Werkes: Der Leviathan oder Wesen, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Gemeinwesens.
Von vielen ehemaligen Mitstreitern kritisiert und abgelehnt, brachte ihm das 1651 bei einem englischen Verleger erschienene Buch den Ruf des „Monsters von Malmesbury“ ein. Dabei kam neben dem Atheismusvorwurf besonders zum Tragen, Hobbes habe mit der Bejahung der von Oliver Cromwell favorisierten Kirchenverfassung nach der Hinrichtung von Karl I. 1649 die Monarchie verraten.
In der Tat liegt schon in der Wahl des Titels ein Affront gegen die anglikanische Kirche, denn er spielt auf das Seeungeheuer aus dem 41. Kapitel des Buches Hiob an. Nicht minder berühmt ist das (wahrscheinlich von dem Kupferstecher Wenzel Hollar geschaffene) Titelbild: Es zeigt den Leviathan als eine aus vielen kleinen Menschenleibern bestehende Figur, die sich als Symbol für den vom Menschen geschaffenen sterblichen Gott mit Bischofsstab und Schwert über die Landschaft erhebt.
Das Werk selbst setzt sich aus vier Büchern zusammen: Die ersten beiden Teile Vom Menschen und Vom Gemeinwesen enthalten die im Wesentlichen auch schon in früheren Werken entwickelten psychologischen und politischen Ideen, während sich die beiden letzten (heute kaum noch gelesenen) Teile vor allen Dingen mit Kirchenfragen auseinandersetzen. Interessanterweise waren es gerade diese beiden, die entscheidend zur Entstehung des Buches beitrugen und dem Autor bis zu seinem Tod immer wieder Anfeindungen als Häretiker und Atheist eintrugen.
Im Gegensatz zur bisherigen Tradition zeichnet Hobbes den Menschen zunächst als a-soziales Wesen: Furcht vor dem Unbekannten und Konflikte, geboren aus Leidenschaften wie Ruhmsucht, die wiederum zu Hass und Neid führt, beherrschen den menschlichen Naturzustand. Erst die Angst vor den Anderen lasse die Menschen eng zusammenrücken. Auf der anderen Seite kommt der Mensch aber durch rationale Überlegungen zu der Überzeugung, dass das von allen angestrebte Gut, die Selbsterhaltung, die als Naturrecht allen Menschen eignet, viel eher unter friedlichen als unter kriegerischen Bedingungen zu erreichen sei, während im Naturzustand „der Mensch des Menschen Wolf ist“ (homo homini lupus est).
Um einen solchen Zustand friedlichen Zusammenlebens zu erreichen, ist es nun notwendig, die Freiheit, Gefahrensituationen selbst zu entscheiden, an eine übergeordnete Autorität abzutreten, die als einheitlich handelnde Rechtsperson über dem Einzelnen steht. Aber nicht nur den Lebenserhalt betreffend, sondern auch in der Frage nach Lehre und öffentlicher Meinung gestand Hobbes dem Souverän die uneingeschränkte Gewalt zu – selbst die Kirchen wurden dem Staat untergeordnet. Damit versank die Religion jedoch keinesfalls in der Bedeutungslosigkeit, sondern diente mit ihren bindenden Normen der Stabilisierung des Souveräns.
Da Hobbes es als gegeben ansah, dass jeder sein Recht, sich selbst zu beherrschen, nur abgeben würde, wenn dies andere genauso täten, bedurfte es nun in einem zweiten Schritt verbindlicher Abmachungen in Form eines Gesellschaftsvertrages zwischen einer großen Anzahl von Menschen, um die Staatsgewalt endgültig zu legitimieren und ihr absolute Autorität zu verleihen. Es ist ein tragender Punkt im Hobbes’schen Argument, dass die Gesamtheit der Verträge auf freiwilliger Anerkennung und Selbstverpflichtung des Bürgers beruht. Das heißt aber auch, dass eine solche Verständigung nur realisierbar ist, wenn die sich so zusammenschließenden Menschen über ein gemeinsames Medium verfügen: die Sprache. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt gegenseitigen Verständnisses.
Obwohl sich der Bürger in einem so verstandenen Staat selbst als Urheber des Souveräns verstehen kann, so dass Hobbes zufolge die natürliche Freiheit keineswegs eingeschränkt wird, sind die illiberalen Elemente in der Hobbes’schen Staatstheorie unverkennbar. Dementsprechend groß waren auch die Anzahl und Namen seiner Gegner: David Hume und Immanuel Kant gehören zu den prominentesten Vertretern.
Obwohl in der Folgezeit schon die Utilitaristen wie der liberale Denker John Stuart Mill dazu geneigt waren, der Hobbes’schen Theorie trotz ihrer Rechtfertigung absoluter Staatsgewalt wieder mehr Wohlwollen zukommen zu lassen, gewann sie erst mit dem Problem totalitärer Systeme im 20. Jahrhundert wieder wirklich an Brisanz: Dabei nahmen nicht nur umstrittene Staatstheoretiker wie Carl Schmitt die Lehren Hobbes’ wieder auf; auch spieltheoretische Versionen der Vertragstheorie, wie wir sie bei John Rawls finden, zeigen eine latente Wirksamkeit des Leviathan.
Bedenkt man, dass Interessenkonflikte zwischen einem allein auf seinen Machterhalt orientierten Souverän und den Staatsbürgern nicht mitgedacht werden, scheint es schon fast wie eine Ironie des Schicksals, dass nach der Restauration der Monarchie im Jahr 1660 Hobbes sich plötzlich selbst einem System gegenübersah, das ihm nicht nur weitere englischsprachige Publikationen untersagte, sondern ihm auch bis zu seinem Tod immer wieder mit Gefängnis oder Exil drohte.
Im Europa liberaler demokratischer Staaten scheint die Staatstheorie von Hobbes auf den ersten Blick veraltet. Aber dass derart eingeschränkte Rechte des Bürgers nicht auf der Annahme des Wissens um gültige Wahrheiten, sondern im Gegenteil darauf beruhen, dem Menschen außer dem Recht auf Selbsterhaltung keine weiteren allgemeingültigen Rechte zuzusprechen, stimmt nachdenklich: Es zeigt, dass die Gefahr totalitärer Systeme durch einen moralischen Relativismus oder Skeptizismus keinesfalls gebannt ist. Die Einsicht, dass diese Tatsache auch in den Zeiten der Postmoderne ihre Gültigkeit behält, verdanken wir Thomas Hobbes.
Thomas Hobbes, Leviathan, Felix Meiner, Hamburg 1996, 673 Seiten, EUR 56,00
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